Alternative Fotoprozesse

Lumendruck

Anders als die klassische Fotografie entzieht sich der Lumendruck der technischen Kontrollierbarkeit. Altes Fotomaterial (Papier und Film) wird mit Pflanzen und ihren Säften und ätherischen Ölen zusammengebracht. Das Sonnenlicht lässt sie auf unvorhersehbare Weise miteinander reagieren. Jedes Fotogramm, das dabei entsteht, ist einzigartig.
Ein Entwicklerbad benötigen diese Werke nicht; doch ohne das Fixierbad würde das Abbild in völliger Dunkelheit verschwinden. Die abschließende Selentonung verstärkt den Kontrast und sorgt für Langlebigkeit.

Abbildungen (Blüte vom Acker-Rittersporn)
1: Acker-Rittersporn-Blüte zum Belichten auf Fotopapier gelegt
2: Lumenprint direkt nach der Belichtung (vergänglich)
3: Lumenprint nach der Selentonung (archivfest)
4. Gescanntes Bild, invertiert
5. Gescanntes Bild, Kontrastanhebung

Im Verschwinden (digitale Fotografie und Anthotypie)

1. Umsetzung: Die Rodung des Fechenheimer Waldes (2026)

Trotz Protesten und des Nachweises streng geschützter Tierarten wurde ein großer Abschnitt des Fechenheimer Waldes im Frankfurter Osten, der ein selten gewordenes Ökosystem bewahrte, zugunsten eines jahrzehntealten Verkehrskonzepts unwiederbringlich vernichtet. In 7 Werken zeige ich, welche Tierarten dadurch ihren Lebensraum verloren haben.
Dafür wurden mir vom Senckenberg Forschungsinstitut teils über 100 Jahre alte, präparierte Käfer aus der wissenschaftlichen Sammlung zur Verfügung gestellt. Durch die Einbindung des Senckenberg Forschungsinstituts schaffe ich einen Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Insekten werden ausdrücklich als Museumspräparate gezeigt; auf eine digitale Nachbearbeitung, die den Anschein eines lebenden Exemplars wecken sollte, wurde bewusst verzichtet. Der Verweis auf die Herkunft aus einer wissenschaftlichen Sammlung, erkennbar durch Präparationsnadeln und Museumsetiketten, verstärkt die Warnung, dass diese Arten keine Zukunft mehr haben könnten wenn ihr Schutz vernachlässigt wird – und (wie schon viele andere Arten) bald nur noch in Sammlungen zu finden sein könnten.
Die 7 Anthotypien zeigen im Focus-Stacking-Verfahren hergestellte, digitale Fotografien des Heldbocks (Cerambyx cerdo), des Hirschkäfers (Lucanus cervus), des Großen Rosenkäfers (Protaetia speciosissima) und des Nashornkäfers (Oryctes nasicornis), die neben anderen selten gewordenen und streng geschützten Käferarten im Fechenheimer Wald präsent waren. In der Mitte ist ein Zweig einer Eiche (Quercus sp.) zu sehen, den ich im Fechenheimer Wald gesammelt habe. Diese alten Eichen waren die Lebensgrundlage dieser Arten, von denen manche sogenannte „Urwaldrelikte“ sind.
Als lichtsensible Emulsion für die Anthotypien habe ich mich für Curcuma (mit Borax getont) entschieden. Das Pigment reagiert schnell auf Licht, was zum einen eine kurze Belichtungszeit von ca. 4-8 Stunden Sonnenschein bedeutet, und zum anderen auch schnelleres Verblassen verspricht. Die Tonung mit Borax intensiviert die Farbe und schiebt sie ins Rotbraune.

Anthotypie

Technische Beschreibung: In meinem wichtigsten Projekt Flora obscura, das im Wesentlichen als Webseite verwirklicht ist, spielen – neben der Essbarkeit – die Farben der Pflanzen eine ganz besondere Rolle; die Bilder können nach ihrer Farbigkeit sortiert werden. Bei der Anthotypie arbeite ich mit den Pflanzenfarben selbst. Der färbende Pflanzensaft (meistens Anthocyane) wird direkt auf Papier aufgetragen oder aus den Pflanzenteilen extrahiert. Durch Einwirkung der Sonne verändern sich diese Pigmente; der von Objekten oder „Positiven“ (statt Negativen) beschattete Bereich bleibt unverändert, während die belichteten Bereiche meistens verblassen. Dieser Prozess kann je nach Pigment und abhängig von der Dauer und Intensität des Sonnenscheins mehrere Stunden, Tage und Wochen dauern. Es entsteht ein Fotogramm. Viele Pigmente stammen von Pflanzen aus meinem eigenen Garten, darunter Kermesbeere, Traubenhyazinthe, Leinblüten oder Malve. Anthotypien sind nicht lichtecht und müssen geschützt aufbewahrt werden.

Cyanotypie

Als Anna Atkins im 19. Jahrhundert das Verfahren der Cyanotypie anwendete, um ihre Fotografischen Herbarien anzulegen, fand sie wenig Anerkennung in der Kunst oder Wissenschaft. Heute gilt sie als eine Pionierin der Fotografie und inspiriert viele Menschen bis heute. Papier und andere Materialien werden mit einer Emulsion aus Ammoniumeisencitrat und Kaliumhexacyanidoferrat(III) lichtsensibel gemacht. Aufgelegte Objekte oder Negative erzeugen einen weißen bleibenden Schatten, während der belichtete Bereich blau wird. „Entwickelt“ wird das Bild im Anschluss einfach durch Auswaschen mit Wasser. Wasserstoffperoxid intensiviert das Blau. Durch Bleichen und anschließendes Tonen mit Gerb- oder Pflanzenstoffen (siehe „Anthoypie“) werden bräunliche oder mehrfarbige Cyanotypien erzeugt.