Im Verschwinden (digitale Fotografie und Anthotypie)

Das Projekt „Im Verschwinden“ setzt sich mit dem Verlust von Lebensräumen und Arten auseinander. Abgebildet werden Tier- und Pflanzenarten, deren Existenz durch den Verlust ihres Lebensraums bedroht ist. Der langsame, schleichende Verlust unserer Natur wird über die Umsetzung als Anthotypie vermittelt. Das Fotogramm aus Pflanzenpigmenten ist nicht lichtecht und verschwindet mit der Zeit langsam und fast unbemerkt vor unseren Augen – genau wie die in den Bildern gezeigten Arten. Durch die Umsetzung als Anthotypie funktioniert die Fotografie nicht mehr als eine Methode des dauerhaften Festhaltens und Dokumentierens, sondern als Akt der Wahrnehmung und Sensibilisierung, der die Betrachtenden zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Verschwinden der Natur und von Lebensräumen einlädt. Das Verblassen der Anthotypien wird so zu einer metaphorischen Auseinandersetzung mit dem langsamen, aber unumkehrbaren Verlust von Ökosystemen und Vielfalt. Seit Jahrzehnten schon erleben wir, dass es in unseren Gärten immer weniger Insekten gibt. Doch findet dieses „Wenigerwerden“ so langsam statt, dass wir die wachsende Armut an Lebewesen um uns herum wahrnehmen, als wäre es schon immer so gewesen. Dabei geht es nicht nur um die Darstellung des Verlusts, sondern auch um das Schaffen von Nähe und Reflexion über unsere Verantwortung für die Umwelt und die Frage, wie wir als Gesellschaft auf die drängenden ökologischen Herausforderungen reagieren können.

1. Umsetzung: Die Rodung des Fechenheimer Waldes (2026)

Trotz Protesten und des Nachweises streng geschützter Tierarten wurde ein großer Abschnitt des Fechenheimer Waldes im Frankfurter Osten, der ein selten gewordenes Ökosystem bewahrte, zugunsten eines jahrzehntealten Verkehrskonzepts unwiederbringlich vernichtet. In 7 Werken zeige ich, welche Tierarten dadurch ihren Lebensraum verloren haben.
Dafür wurden mir vom Senckenberg Forschungsinstitut teils über 100 Jahre alte, präparierte Käfer aus der wissenschaftlichen Sammlung zur Verfügung gestellt. Durch die Einbindung des Senckenberg Forschungsinstituts schaffe ich einen Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Insekten werden ausdrücklich als Museumspräparate gezeigt; auf eine digitale Nachbearbeitung, die den Anschein eines lebenden Exemplars wecken sollte, wurde bewusst verzichtet. Der Verweis auf die Herkunft aus einer wissenschaftlichen Sammlung, erkennbar durch Präparationsnadeln und Museumsetiketten, verstärkt die Warnung, dass diese Arten keine Zukunft mehr haben könnten wenn ihr Schutz vernachlässigt wird – und (wie schon viele andere Arten) bald nur noch in Sammlungen zu finden sein könnten.
Die 7 Anthotypien zeigen im Focus-Stacking-Verfahren hergestellte, digitale Fotografien des Heldbocks (Cerambyx cerdo), des Hirschkäfers (Lucanus cervus), des Großen Rosenkäfers (Protaetia speciosissima) und des Nashornkäfers (Oryctes nasicornis), die neben anderen selten gewordenen und streng geschützten Käferarten im Fechenheimer Wald präsent waren. In der Mitte ist ein Zweig einer Eiche (Quercus sp.) zu sehen, den ich im Fechenheimer Wald gesammelt habe. Diese alten Eichen waren die Lebensgrundlage dieser Arten, von denen manche sogenannte „Urwaldrelikte“ sind.
Als lichtsensible Emulsion für die Anthotypien habe ich mich für Curcuma (mit Borax getont) entschieden. Das Pigment reagiert schnell auf Licht, was zum einen eine kurze Belichtungszeit von ca. 4-8 Stunden Sonnenschein bedeutet, und zum anderen auch schnelleres Verblassen verspricht. Die Tonung mit Borax intensiviert die Farbe und schiebt sie ins Rotbraune.

Umsetzung als Fine Art Print (links):

Technik
Fine Art Pigmentdruck der im Focus-Stacking-Verfahren hergestellten Fotografien (Farbe). In Graustufenumsetzung als digitale Negative genutzt.

Format
32,9 x 48,3 cm

Papier
Epson WaterColor Paper - Radiant White, 188gsm

Umsetzung als Anthotypie (rechts):

Technik
Kontaktkopie einer Graustufenumsetzung der Vorlage auf Siebdruckfilm.
Beschichtung: Curcuma in Isopropanol gelöst, 1 Schicht.
Mehrere Stunden mit einer UV-Lampe bzw. in der Sonne belichtet (März).
Boraxtonung (1-4 Minuten).

Format
36 x 48 cm, beschichteter Bereich ca. 30 x 42 (A3)

Papier
Hahnemühle Aquarell-Papier Cornwall 450gsm