Cyanotypie
Die Sonne schreibt die Silhouetten der aufgepressten Pflanzen in ein intensives Preußischblau; wie zur blauen Stunde, im Übergang zur Nacht, wenn erste Sterne sichtbar werden. Blattadern, Stängel, feine Ränder bilden sich als helle Spuren ab; je feiner und durchlässiger das Gewebe, desto mehr Details hinterlässt die Pflanze in ihrem weißen Schatten. So entstehen botanische Konstellationen am eisenblauen Nachthimmel.
Als Anna Atkins im 19. Jahrhundert das Verfahren der Cyanotypie anwendete, um ihre Fotografischen Herbarien anzulegen, fand sie wenig Anerkennung in der Kunst oder Wissenschaft. Heute gilt sie als eine Pionierin der Fotografie und inspiriert viele Menschen bis heute. Papier und andere Materialien werden mit einer Emulsion aus Ammoniumeisencitrat und Kaliumhexacyanidoferrat(III) lichtsensibel gemacht. Aufgelegte Objekte oder Negative erzeugen einen weißen bleibenden Schatten, während der belichtete Bereich blau wird. „Entwickelt“ wird das Bild im Anschluss einfach durch Auswaschen mit Wasser. Wasserstoffperoxid intensiviert das Blau. Durch Bleichen und anschließendes Tonen mit Gerb- oder Pflanzenstoffen (siehe „Anthoypie“) werden bräunliche oder mehrfarbige Cyanotypien erzeugt.
