Lumendruck

In keiner anderen Technik erscheinen Pflanzen so vergänglich wie im Lumenprint, obwohl ihre Gestalt im sonnengeschwärzten Silbersalz verewigt bleibt. Selbst ihre Aura scheint sich einzuschreiben: ein heller Schein umgibt die Silhouetten der aufgelegten Pflanzen, als hätten sie in den Minuten und Stunden auf dem einst weißen Fotopapier ihren Lebensatem ausgehaucht; als blicke man dem Vergehen ihres Daseins zu – für immer gebannt in Silberschwarz.

Anders als die klassische Fotografie entzieht sich der Lumendruck der technischen Kontrollierbarkeit. Altes Fotomaterial (Papier und Film) wird mit Pflanzen und ihren Säften und ätherischen Ölen zusammengebracht. Das Sonnenlicht lässt sie auf unvorhersehbare Weise miteinander reagieren. Jedes Fotogramm, das dabei entsteht, ist einzigartig.
Ein Entwicklerbad benötigen diese Werke nicht; doch ohne das Fixierbad würde das Abbild in völliger Dunkelheit verschwinden. Die abschließende Selentonung verstärkt den Kontrast und sorgt für Langlebigkeit.

Abbildungen (Blüte vom Acker-Rittersporn)
1: Acker-Rittersporn-Blüte zum Belichten auf Fotopapier gelegt
2: Lumenprint direkt nach der Belichtung (vergänglich)
3: Lumenprint nach der Selentonung (archivfest)
4. Gescanntes Bild, invertiert
5. Gescanntes Bild, Kontrastanhebung