Anthotypie
Dieses Projekt kreist um ein Paradox: Pflanzen wachsen im Licht, doch ihre Farben verblassen in ihm, sobald sie extrahiert werden. Sonnenlicht ist damit in der Anthotypie zugleich Ursprung und Zerstörer des Bildes. Die Arbeiten erzählen von Licht als Schöpfungs- und Zerstörungskraft; und von Naturschönheit, die nur im Werden und Vergehen existiert. Das Bild ist kein festgehaltener Moment, sondern ein sich fortsetzender Naturprozess. Das Versprechen von Dauer und Beständigkeit, wie wir es von der konventionellen Fotografie kennen, kann die Anthotypie nicht geben.
Technische Beschreibung: In meinem wichtigsten Projekt Flora obscura, das im Wesentlichen als Webseite verwirklicht ist, spielen – neben der Essbarkeit – die Farben der Pflanzen eine ganz besondere Rolle; die Bilder können nach ihrer Farbigkeit sortiert werden. Bei der Anthotypie arbeite ich mit den Pflanzenfarben selbst. Der färbende Pflanzensaft (meistens Anthocyane) wird direkt auf Papier aufgetragen oder aus den Pflanzenteilen extrahiert. Durch Einwirkung der Sonne verändern sich diese Pigmente; der von Objekten oder „Positiven“ (statt Negativen) beschattete Bereich bleibt unverändert, während die belichteten Bereiche meistens verblassen. Dieser Prozess kann je nach Pigment und abhängig von der Dauer und Intensität des Sonnenscheins mehrere Stunden, Tage und Wochen dauern. Es entsteht ein Fotogramm. Viele Pigmente stammen von Pflanzen aus meinem eigenen Garten, darunter Kermesbeere, Traubenhyazinthe, Leinblüten oder Malve. Anthotypien sind nicht lichtecht und müssen geschützt aufbewahrt werden.

